• Symbolbild – Hände, Maschendrahtzaun
    7 Menschen
    7 Fluchtgeschichten

Symbolbild

NUR FORT VON HIER – Menschen auf der Flucht

Rund 80 Millionen Menschen lebten im Jahr 2020 weltweit auf der Flucht. Doch ist Flucht nicht nur ein Phänomen der Gegenwart. Zu jeder Zeit flohen Menschen aus ihrer vertrauten Umgebung in eine ungewisse Zukunft, um den Gefahren des Krieges zu entgehen, Gewalt und Terror zu entkommen, Armut, Hunger und Krankheit oder Unterdrückung und Willkür hinter sich zu lassen.

NUR FORT VON HIER erzählt sieben ausgewählte Fluchtgeschichten der jüngeren Vergangenheit. Sie stehen für zwei Fluchtbewegungen, die für Deutschland und Europa nach 1945 besonders prägend waren: Zum einen die jahrzehntelange Massenflucht aus der DDR in die Bundesrepublik Deutschland zwischen 1949 und 1989, zum anderen die Massenflucht der 2010er Jahre, bei der Millionen Menschen in Europa Zuflucht vor Krieg, Armut und Unterdrückung suchten. Die Auswahl der Biografien folgt der Idee, ganz unterschiedliche Menschen aus fünf Jahrzehnten nebeneinander zu porträtieren – mit ihren individuellen Vorgeschichten und Fluchtgründen, den völlig unterschiedlichen Fluchtwegen und Folgen. Drei der hier vorgestellten Personen verloren durch den Fluchtversuch ihre Freiheit, der jüngste der sieben sogar sein Leben. Am Ende ihres Weges standen sie alle vor vielfältigen Herausforderungen und Möglichkeiten.

Icon - Maschendrahtzaun
Jugendfoto – Karsten Köhler
Karsten Köhler

Storkow 1956. Eine Schulklasse bleibt aus Protest fünf Minuten lang still und löst damit eine staatliche Reaktion aus, die alle Zukunftspläne zunichtemacht.

Jugendfoto – Axel Hannemann
Axel Hannemann

Cottbus 1962. Ein Jugendlicher reist heimlich nach Berlin, um die DDR für immer zu verlassen – mit fatalen Folgen.

Jugendfoto – Bodo Gerth
Bodo Gerth

Rostock 1973. Ein erfolgreicher Universitätsarzt weigert sich, für seine Karriere in die Partei einzutreten, und nimmt stattdessen mit seiner Familie die Risiken einer Flucht in Kauf.

Jugendfoto – Sigrid Richter
Sigrid Richter

Freital 1985. Eine junge Lehrerin zweifelt am politischen System der DDR und entscheidet sich mit ihrem Mann und ihrem Sohn für einen Ausreiseantrag, aber das Ministerium für Staatssicherheit stellt der Familie eine Falle.

Jugendfoto – Peter Christian Bürger
Peter Christian Bürger

Prag 1989. Ein Mann, der schon einmal wegen versuchter Republikflucht im Gefängnis saß, erkennt die Gunst der Stunde und flieht an einen Ort, der nicht in Karten verzeichnet ist.

Jugendfoto – Mohammad A.
Mohammad A.

Ghouta 2015. Ein junger Mann ist durch die Bomben des syrischen Bürgerkriegs an den Rollstuhl gefesselt. Er braucht medizinische Behandlung und wagt deswegen die Flucht aus seiner belagerten Heimatstadt und die Fahrt über das bedrohliche Mittelmeer.

Jugendfoto – Maisaa Naoulo
Maisaa Naoulo

Aleppo 2015. Eine Mutter im Bürgerkriegsland Syrien will nicht mehr jeden Tag Angst um ihre Kinder haben und macht sich deswegen mit ihnen auf die gefährliche Reise nach Europa.

Icon – Maschendrahtzaun

Bei allen Unterschieden verbindet die sieben Menschen ein gemeinsamer Erfahrungshorizont: Jede und jeder von ihnen kam an einen Punkt, an dem ihnen das Bleiben nicht mehr möglich war. Sie alle entschieden sich zur Flucht und nahmen dafür erhebliche Risiken in Kauf. Sie alle verloren durch die Flucht ihre Heimat und den Kontakt zu Freunden oder Familienangehörigen. Sofern sie die Flucht überlebten, empfanden sie Fremdheit und Sehnsucht nach den Zurückgelassenen, verspürten aber auch Hoffnung auf ein Leben in Sicherheit und Frieden in ihrer neuen Heimat. Sie erlebten Unterstützung und Ausgrenzung. Ob zur Zeit der deutschen Teilung, in den letzten Jahren oder in der Gegenwart: Wer fliehen muss, tut dies in der Regel nicht freiwillig oder leichtfertig, sondern aus innerer und äußerer Not. Denn fliehen ist niemals einfach und immer mit Angst, Unsicherheit und Gefahren verbunden.

  • Zeitzeugen erzählen

    Im Projekt NUR FORT VON HIER kommen diejenigen zu Wort, die selbst geflohen sind. In zahlreichen Videoclips erzählen sie von der Situation in ihrem Herkunftsland, von der Entscheidung zur Flucht, von der Durchführung und den Folgen. Im Fall des zu Tode gekommenen Axel Hannemann berichtet dessen Bruder Jürgen Hannemann von seinen Erinnerungen. Fotos und Dokumente sowie ein Glossar helfen, die Situation der jeweiligen Person besser zu verstehen und vor dem historischen Hintergrund einzuordnen.

Nicht nur für den Unterricht

Die Fluchtgeschichten richten sich an alle, die sich für die Themen Flucht und Menschenrechte, für die Situation Fliehender und Geflüchteter, für die DDR und die aktuellen Fluchtbewegungen interessieren. Mit begleitenden Arbeitsaufträgen und einer Lehrerhandreichung eignen sie sich besonders zum Einsatz im Geschichts-, Politik- und Ethik- oder Religionsunterricht ab der Jahrgangsstufe 10. Vorschläge zur individuellen Anpassung der Arbeitsaufträge runden das Angebot ab, sodass das Bildungsmaterial auch schon ab der Jahrgangsstufe 8 und in Integrationskursen genutzt werden kann. Dabei können entweder einzelne Biografien oder mehrere Fluchtgeschichten in vergleichender Perspektive bearbeitet werden. Lehrkräfte finden hierzu nähere Informationen im didaktischen Bereich.

Ein Projekt des Menschenrechtszentrums Cottbus

NUR FORT VON HIER ist ein Online-Angebot des Vereins Menschenrechtszentrum Cottbus (MRZ). Zur Arbeit am Projekt fand sich eine Arbeitsgruppe aus Pädagogen, Didaktikern, Wissenschaftlern, Zeitzeugen, Lehrern und Schülern, Vereinsmitgliedern des MRZ und Mitarbeitern verschiedener Geflüchtetenhilfsorganisationen zusammen. Die Interviews wurden von Mitarbeitern des MRZ in den Jahren 2019/20 für das Projekt aufgezeichnet. Das Projekt wurde von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und von der Beauftragten des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur gefördert.